Altbauten haben ihren Charme – aber oft auch eine veraltete Elektroinstallation. Klassische Nullung, Stoffleitungen und fehlende FI-Schutzschalter sind typische Probleme. Dieser Ratgeber zeigt, worauf du bei der Elektrosanierung achten musst und wie du schrittweise modernisierst.
In Gebäuden vor 1990 finden sich häufig folgende Probleme, die bei einer Sanierung behoben werden sollten:
Nullleiter und Schutzleiter sind kombiniert. Bei Unterbrechung steht das Gehäuse unter Spannung – Lebensgefahr! Erkennbar an nur 2-adrigen Leitungen.
Gummiisolierte Stoffleitungen sind spröde und brandgefährlich. Aluminiumleitungen brechen an Klemmstellen und haben höheren Widerstand.
Vor 1984 war kein FI-Schutzschalter vorgeschrieben. Ohne FI fehlt der lebenswichtige Fehlerstromschutz für alle Steckdosen und Badezimmer.
Im TN-C-System sind Neutral- und Schutzleiter ein einziger Leiter (PEN). Im modernen TN-S-System sind sie getrennt (N und PE). Nur im TN-S-System funktioniert ein FI-Schutzschalter korrekt.
Ohne Trennung von N und PE ist kein FI-Schutzschalter einsetzbar. Der FI erkennt Fehlerströme nur, wenn N und PE getrennt geführt werden. Zudem besteht bei PEN-Leiterunterbrechung Lebensgefahr.
Die Auftrennung erfolgt am Hausanschlusskasten (HAK). Ab dort werden N und PE separat geführt. Dies erfordert in der Regel eine neue Zuleitung zum Zählerschrank und einen neuen Zählerschrank.
Bestandsschutz bedeutet nicht, dass alte Installationen ewig bleiben dürfen. Bei substanziellen Änderungen (z.B. Einbau einer neuen Küche, Badsanierung, Erweiterung um Wallbox) müssen die betroffenen Stromkreise nach aktueller Norm (DIN VDE 0100) ausgeführt werden. Auch bei Eigentümerwechsel oder Vermietung haftet der Eigentümer für den sicheren Zustand der Elektroinstallation.
E-Check durch Elektrofachkraft: Isolationsmessung, Schleifenimpedanz, Prüfung der Schutzmaßnahmen. Dokumentation des Ist-Zustands.
Wichtigste Sofortmaßnahme! Einbau von FI-Schutzschaltern (30 mA) für alle Steckdosen-Stromkreise. Im TN-C-System vorher auf TN-S umstellen.
Badezimmer, Küche und Außenbereich zuerst. Stoffleitungen und Aluminiumkabel ersetzen. Neue Leitungen mit ausreichendem Querschnitt verlegen.
Neuer Zählerschrank mit ausreichend Platzeinheiten, modernen LS-Schaltern, SPD und Reserveplätzen für Wallbox, PV und Smart Home.
1. Klassische Nullung erkennen
Nur 2-adrige Leitungen (Phase + PEN) bedeuten klassische Nullung. Auch wenn gelb-grüne Leiter vorhanden sind: Prüfe, ob N und PE wirklich getrennt geführt werden.
2. FI-Schutzschalter nachrüsten rettet Leben
Ein FI-Schutzschalter (30 mA) verhindert tödliche Stromschläge. Die Nachrüstung kostet wenige hundert Euro und ist die effektivste Sicherheitsmaßnahme.
3. Leerrohre bei jeder Sanierung mitverlegen
Wenn ohnehin Wände geöffnet werden: Leerrohre mitverlegen! Spätere Erweiterungen (Netzwerk, Smart Home, zusätzliche Stromkreise) sind dann ohne Stemmen möglich.
4. Bestandsaufnahme mit Prüfprotokoll
Vor jeder Sanierung: E-Check durchführen lassen. Das Prüfprotokoll dokumentiert den Zustand und zeigt die dringendsten Maßnahmen. Wichtig für Versicherung und Haftung.
Eine modernisierte Elektroinstallation schützt Bewohner, senkt das Brandrisiko und steigert den Immobilienwert. Schrittweises Vorgehen macht die Kosten planbar.
Wichtig: Arbeiten an der Elektroinstallation dürfen nur von eingetragenen Elektrofachbetrieben durchgeführt werden. Eigenleistung ist bei Starkstrom verboten.