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Schutz 24.02.2026 · 9 Min. Lesezeit

Leitungsschutzschalter richtig auswählen

Leitungsschutzschalter Sicherungsautomat Charakteristik Überstromschutz

Der Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) ist das zentrale Schutzorgan in jeder elektrischen Anlage. Er schützt Leitungen vor Überlast und Kurzschluss und ist in jedem Stromkreis vorgeschrieben. Die richtige Auswahl von Auslösecharakteristik und Nennstrom ist entscheidend für eine sichere und funktionale Installation.

Wichtig zu wissen

Ein Leitungsschutzschalter schützt primär die Leitung – nicht das angeschlossene Gerät oder den Menschen. Für den Personenschutz ist zusätzlich ein FI-Schutzschalter (RCD) erforderlich.

Was ist ein Leitungsschutzschalter?

Ein Leitungsschutzschalter (auch Sicherungsautomat, LS-Schalter oder MCB – Miniature Circuit Breaker) ist ein thermisch-magnetischer Schutzschalter. Er vereint zwei Auslösemechanismen in einem Gerät.

Der thermische Auslöser (Bimetall) reagiert auf langsame Überlast, während der magnetische Auslöser (Spule) bei Kurzschluss sofort abschaltet. So wird die Leitung in beiden Fehlerfällen zuverlässig geschützt.

Auslösecharakteristiken im Vergleich

Die Auslösecharakteristik bestimmt, bei welchem Vielfachen des Nennstroms der magnetische Sofortauslöser anspricht. Je nach Einsatzgebiet werden unterschiedliche Typen benötigt.

Charakteristik B

Magnetische Auslösung: 3- bis 5-facher Nennstrom

Standardanwendung in Wohn- und Bürogebäuden. Geeignet für ohmsche Lasten wie Beleuchtung, Steckdosen und Heizungen.

Charakteristik C

Magnetische Auslösung: 5- bis 10-facher Nennstrom

Für Verbraucher mit mäßigen Einschaltströmen wie Motoren, Leuchtstofflampen, Klimaanlagen und Transformatoren.

Charakteristik D

Magnetische Auslösung: 10- bis 20-facher Nennstrom

Für Verbraucher mit hohen Einschaltströmen wie große Motoren, Schweißgeräte, Röntgengeräte und USV-Anlagen.

Charakteristik K

Magnetische Auslösung: 8- bis 14-facher Nennstrom

Spezialanwendung für Transformatoren und Motoren mit besonders hohen Anlaufströmen in industriellen Umgebungen.

Nennströme und Leitungszuordnung

Der Nennstrom des Leitungsschutzschalters muss zur Strombelastbarkeit der angeschlossenen Leitung passen. Hier die gängigsten Zuordnungen für Kupferleitungen (NYM) bei Verlegeart C (Unterputz):

Nennstrom Typischer Einsatz Min. Querschnitt (Cu)
6 A LED-Beleuchtungskreise 1,5 mm²
10 A Beleuchtung, schwach belastete Steckdosenkreise 1,5 mm²
13 A Steckdosenkreise (Standard UK/IE) 1,5 mm²
16 A Steckdosenkreise (Standard DE), Einzelgeräte 2,5 mm²
20 A Durchlauferhitzer (einphasig), Wallbox 2,5 mm²
32 A Herd, Durchlauferhitzer (dreiphasig), Wallbox 22kW 6 mm²

Selektivität und Back-Up-Schutz

Selektivität bedeutet, dass bei einem Fehler nur der nächstgelegene Schutzschalter auslöst und nicht die gesamte Anlage abschaltet. Dies ist besonders wichtig für die Versorgungssicherheit.

Tipps zur Selektivität

  • Der vorgeschaltete LS-Schalter sollte mindestens den 1,6-fachen Nennstrom des nachgeschalteten haben
  • Selektivitätstabellen der Hersteller beachten – nicht alle Kombinationen sind selektiv
  • Im Zweifelsfall selektive Hauptleitungsschutzschalter (SLS) als Vorsicherung verwenden

Zusammenspiel mit FI-Schutzschaltern

In der modernen Elektroinstallation werden Leitungsschutzschalter immer in Kombination mit FI-Schutzschaltern (RCD) eingesetzt. Die richtige Abstimmung beider Geräte ist wichtig.

Best Practices

  • FI-Schutzschalter immer vor den Leitungsschutzschaltern installieren (in Energieflussrichtung)
  • Nennstrom des FI mindestens gleich oder größer als die Summe der nachgeschalteten LS-Schalter (unter Gleichzeitigkeitsfaktor)
  • Maximal 6 LS-Schalter pro FI-Schutzschalter für optimale Selektivität und Verfügbarkeit